Frauenlob I              

2-Mast-Gaffelkriegsschoner  1. Mai 1855 - 2. September 1860

Am 25. August 1855 lief auf der Lübke-Werft in Wolgast (Vorpommern) der unter dem Baunamen "FRAUENLOB" als 2-Mast-Gaffelkriegsschoner für die königlich-preußische Marine erbaute Kriegsschoner "FRAUENLOB" vom Stapel.

Der Bau des Schiffes war vom "Komitee zur Erbauung vaterländischer Kriegsschiffe" angeregt worden, das seinen Sitz in Wolgast hatte. Die Ausführung des Bauplanes ermöglichte jedoch erst eine von patriotischen preußischen Frauen veranstaltete Sammlung. Zu Dank für diese Spende, deren Erlös immerhin 23.000,00 Taler betrug, erhielt der Schoner auf Wunsch des preußischen Könige Friedrich-Wilhelm bei der Indienststellung am 01.Mai 1855 den endgültigen Namen. Die Taufrede hielt der Initiator und Oberbefehlshaber der preußischen Marine, Admiral Prinz Albert von Preußen.

"Der Schoner verdankt seiner Entstehung dem patriotischen Sinn und der echt weiblichen Beharrlichkeit edler Frauen. Möge das dankbare Andenken daran in den Reihen unserer Seeleute nie erlöschen."

 

Die "FRAUENLOB" war der 2. Kriegsschoner der preußischen Marine. Sein Vorgänger trug den Namen "HELA". Das Vorbild zum Bau dieses Schiffes war der niederländische Schoner "SCORPION". Als Baustoff wurde Holz verwendet, der zum Schutz vor Fäulnis unter der Wasserlinie mit Kupfer beschlagen war. Das Schiff hatte eine Wasserverdrängung von 270 t, maximal 305 t. Es war 28m in der Wasserlinie und 32,1m über alles (Rumpf und Klüverbaum) lang. Die Breite auf Spanten betrug 7,60m, die größte Breite 8,10m.

 

Der Schoner hatte je nach Zuladung von Munition und Proviant einen Tiefgang von 3,10m bis 3,60m. Mit der Besegelung von 532m² konnte im günstigsten Fall eine Geschwindigkeit von 15 kn erreicht werden. Es war eine Besatzung von 46 Mann an Bord. Der erste Kommandant war Leutnant zur See, 1.Klasse, Friedrich Rogge.

 

Im Frühjahr 1856 wurde die "FRAUENLOB" von der Marine übernommen und musste anschließend zur Ausrüstung nach Danzig. Dort erhielt sie eine kurze 30 Pfunder Kanone auf das Mitteldeck gesetzt, obwohl ursprünglich eine Bewaffnung von 5 Kanonen vorgesehen war. Bilder zeigen das Schiff allerdings mit einer zusätzlichen Bewaffnung von 4 Bootskanonen. Im April wurden die Probefahrten mit der Seeklarbesichtigung beendet und nach der Indienststellung am 1. Mai 1856 erhielt die "FRAUENLOB", Stralsund als Heimathafen zugewiesen.

 

Ein Jahr später, 1857, nahm die "FRAUENLOB" zum ersten mal an einer Flottenfahrt des Übungsgeschwaders teil, dem außerdem noch die Raddampffregatte "DANZIG" als Flaggschiff, die Segelfregatte "THETIS" und die Segelkorvette "AMAZONE" als Kadettenschulschiff sowie die Segelkorvette "MERCUR" als Schiffsjungenschul- und Transportschiff angehörten. Prinz Albert hatte seine Flagge auf der "DANZIG" gesetzt. Nach einigen Übungsfahrten in der Ostsee wurde "MERCUR" entlassen, während das Geschwader nach Madeira in den Atlantik ging. Dort wurde das Geschwader aufgelöst.

 

Gemälde von Lüder Arenhold 1891

Die "AMAZONE" kehrte zur Ausschiffung der Kadetten zurück, der Geschwaderchef fuhr mit dem Flaggschiff ins Mittelmeer und "THETIS" und die "FRAUENLOB" segelten nach dem La Plata, um der wichtigsten Aufgabe der preußischen Marine zu genügen und im Ausland Flagge zu zeigen. Die erste größere Ausreise war für den Schoner zugleich die erste Ozeanüberquerung. Dabei stellten sich seine hervorragenden Segeleigenschaften und Seetüchtigkeit heraus, was das Schiff für Auslandsaufgaben qualifizierte. Es kehrte 1858 wohlbehalten in den Heimathafen zurück und wurde anschließend überholt.

 

Man erinnerte sich jedoch der hervorragenden Seeeigenschaften der "FRAUENLOB", als man ein Geschwader für die erste Auslandsreise der preußischen Marine zusammenstellte. Der Geschwaderchef, Commodore Sundewald, sollte bei einer Expedition nicht nur erstmalig in Ostasien die preußische Flagge zeigen, sondern auch mit Siam, China und Japan Handelsbeziehungen anknüpfen. Flaggschiff war die kurz vorher in Dienst gestellte Schraubendampffregatte "ARCONA". Dazu kamen neben der "FRAUENLOB" unter dem Kommando von Leutnant zur See, 1.Klasse, Wilhelm Reetzke noch die Segelfregatte "THETIS" und das Transportschiff "ELBE".

 

Am 25. Oktober 1859 verließen die Schiffe Danzig mit Kurs England. Hier wurden sie 5 Monate mit der Ausbesserung der schweren Seeschäden aufgehalten, die das Flaggschiff während eines Unwetters in der Nordsee erlitten hatte. Im März 1860 traten die Schiffe getrennt die Weiterreise an.

 

Der Weg führte durch Nord- und Südatlantik mit Madeira und Rio de Janeiro als Zwischenstation um das Kap der Guten Hoffnung herum durch den Indischen Ozean nach Singapur. Auch auf dieser Etappe wurden die Schiffe von Unwetter nicht verschont. Hier wurde im Sommer 1860 eine preußische Gesandtschaft an Bord genommen und das Transportschiff zurückgelassen. Dann trennten sich die Schiffe wieder.

"THETIS" segelte an der chinesischen Küste entlang. Die "ARCONA" und "FRAUENLOB" durch die Van-Diemen Straße mit Kurs auf Japan. Anfangs herrschte gutes Wetter mit schwachem Wind, so dass die Schiffe nur sehr langsam vorankamen. Am 1. September 1860 standen die Schiffe noch 40 sm vor Jeddo (das heutige Jokohama) in Japan, das am folgenden Tag angelaufen werden sollte. Gegen Abend frischte der Wind merklich auf. Als dem Geschwaderchef klar wurde, dass ein Taifun heraufzog, wurde die "FRAUENLOB" in Schlepp genommen und man versuchte so, dem Unwetter zu entkommen.

 

Am Morgen des 2. September war jedoch klar, dass dieses Vorhaben nicht glücken würde. Aus diesem Grund wurden Maßnahmen für schweres Wetter ergriffen.

 

Gegen 4 Uhr morgens brach die Schleppverbindung zur "FRAUENLOB". Eine Stunde ritten die beiden Schiffe noch nebeneinander den Taifun ab. Gegen 5 Uhr geriet der Kriegsschoner jedoch außer Sicht und wurde seitdem nicht mehr gesichtet. Er ist am 2. September 1860 mit der gesamten Besatzung gesunken, 5 Jahre nach Stapellauf.

 

 

 

 

Die "ARCONA" lief am 4. September in Jeddo ein und veranlasste sofort eine Suchaktion. Das Ergebnis war jedoch nur die Feststellung, dass auch die englische Kriegsbrigg "CAMILLA" mit 120 Mann dem Taifun zum Opfer gefallen war.

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© Mark Bergemann