Frauenlob 2

 

Kleiner geschützter Kreutzer 25. August 1855 - 27. März 2002

 

 

Zur Erinnerung an den Schoner "FRAUENLOB" erhielt der erste kleine geschützte Kreuzer, der nach der Jahrtausendwende für die kaiserliche Marine von Stapel lief, den gleichen Namen.

 

"S.M.S. FRAUENLOB" war am 22. März 1902 vom Stapel gelaufen und wurde am 17. Februar 1903 in Dienst gestellt. Sie wurde in der Weserwerft in Bremen gebaut und hatte eine Wasserverdrängung von 2700 t bzw. maximal 3080 t. Der Kreuzer war 105 m über alles lang und die größte Breite betrug 12,4 m, der Tiefgang 5,6 m. Der Schiffsrumpf war durch 11 wasserdichte Schotten unterteilt und wies im Maschinenraum noch ein Längsschott auf. Die Geschützschilde, der Kommandostand, der Maschinenraum und andere wichtige Teile des Schiffes waren mit Kruppstahl in den Stärken 20 - 80 mm gepanzert. Den Dampf für die beiden Expansions- Kolbendampfmaschinen erzeugten 9 Marinekessel. Angetrieben wurde das Schiff mit einer Leistung von 8854 Psi über 2 Propeller, so dass eine Geschwindigkeit von 21,5 kn erreicht werden konnte. Bei einem Kohlevorrat von 710 t konnte das Schiff ca. 4730 Sm bei 12 kn Geschwindigkeit laufen. Die Besatzung betrug in Friedenszeiten 270 Mann und in Kriegszeiten 315 Mann. Die Bewaffnung umfasste:

 

  • 10 x  105 mm Schnellfeuerkanonen
  • 10 x    37 mm Revolverkanonen (im Krieg 14 Stück)
  • 2   x  450 mm Torpedorohre

 

Alle kleinen Kreuzer, die seit dem Inkrafttreten des ersten Flottengesetzes seit 1885 erbaut und bis 1902 vom Stapel gelaufen sind, 10 Einheiten im Ganzen, können zusammen mit der "FRAUENLOB" als eine Klasse betrachtet werden, da sich die Schiffe in Abmessungen, Verdrängung, Bewaffnung und Silhouette nur unwesentlich unterschieden. Zu den eigentlichen Schwesterschiffen der "FRAUENLOB" zählen: "ARCONA" und "UNDINE", die letzten 3 Einheiten dieser 2-Schornsteinkreuzer mit dem eindrucksvollen Rammsteven. Die ersten beiden Schiffe waren "GAZELLE" und "NIOBE", dann folgte "NYMPHE" mit Ihren Schwesterschiffen "THETIS", "ARIADNE"; "AMAZONE" und "MEDUSA".

 

Nach der Indienststellung wurde die "S.M.S. FRAUENLOB" unter dem Kommando von Korvettenkapitän Nickel, dem Aufklärungsgeschwader der Nordseestation Wilhelmshaven, zugeteilt.

 

Mit der Schlachtflotte machte der Kreuzer eine Reise in den Nordatlantik und diente dann im Ausbildungsdienst und anderen Aufgaben im Rahmen des normalen Flottendienstes. 1905 lief der Kreuzer aufgrund eines Ruderschadens auf Grund, ein Jahr später kam es noch schöner, die "S.M.S. FRAUENLOB" versenkte bei einem Torpedoschießen die eigene Dampfpinasse. Im Jahr 1908 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und durch den kleinen Kreuzer "STETTIN" ersetzt. Nachdem am 1. August 1914 der Krieg erklärt wurde, befand sich das inzwischen wieder entmottete Schiff bei der 3. Aufklärungsgruppe der Hochseeflotte, die am 22. August 1914 in 4. Aufklärungsgruppe umbenannt worden war. Zu dieser Einheit gehörten außerdem noch die kleinen Kreuzer älteren Typs "HELA", "MÜNCHEN", "DANZIG" und die etwas modernere "STUTTGART".

 

Schon einige Wochen nach Kriegsbeginn hatte die "S.M.S: FRAUENLOB" die erste Feindberührung. Am 28 August 1914 brach der Engländer überraschend in die deutsche Bucht ein. Die "FRAUENLOB" befand sich mit der "STETTIN" und "BELA" auf Vorposten auf einer Position zwischen dem Leuchtturm Roter Sand und Helgoland.

 

Gegen 8.30 Uhr wurden dem Kommandanten, Fregattenkapitän Momsen, gemeldet, dass in nordwestlicher Richtung Kanonendonner zu hören sei. Der Kommandant ließ sofort Dampf aufmachen, um die Lage zu klären und traf gegen 9.05 Uhr auf einen britischen Flottenverband, der aus dem Kreuzer "ARETHUSA" der AURORA-Klasse und 12 Zerstörern bestand und im Begriff war, einige deutsche Fischdampfer und Ihre Schutzfahrzeuge, Torpedoboote und Minensuchboote, zu verfolgen. Der englische Kreuzer ist der "FRAUENLOB" klar überlegen, er verdrängt 3560 t, läuft 29 kn und ist mit 2 x 152 mm und 6 x 102 mm Kanonen bewaffnet. Er eröffnet sofort das Feuer und deckt den deutschen Kreuzer ein. Nach einem 30 minütigem Gefecht drehte der Engländer jedoch ab, nachdem er 2 schwere Treffer erhalten hat. Die Zerstörer versuchen zwar einen Torpedoangriff, zeigten dabei jedoch wenig Mut und kamen zu keinem Erfolg. Die "FRAUENLOB" erhielt 10 Treffer und verlor im Endeffekt 9 Mann Ihrer Besatzung.

 

 

Nach dem Gefecht folgte man den Hilferufen des durch den Kreuzer schwer getroffenen als Minensucher verwendeten Torpedobootes "T33" und schleppte es zusammen mit dem Torpedoboot "V3" nach Helgoland ein. Danach kehrte die "FRAUENLOB"  nach Wilhelmshaven wieder zurück und gab Tote und Verwundete von Bord. Danach hatte der Kreuzer bis zur Skagerrak-Schlacht keine Feindberührung mehr.

 

 

Am 30. Mai 1916 war der Kreuzer zusammen mit den Schiffen der 4. Aufklärungsgruppe aus Wilhelmshaven ausgelaufen. Die Nacht wurde vor Wilhelmshaven auf Reede verbracht und um 4.00 Uhr lichtete der Kreuzer seinen Anker um seine Stelle als Flankensicherungsschiff der Hochseeflotte einzunehmen. Die Flotte marschierte unter dem Befehl des Vizeadmirals in Kiellinie nach Norden. Um die Linienschiffe war ein Ring aus Sicherungsschiffen aus kleinen Kreuzern und Torpedobooten gebildet worden. Die "FRAUENLOB" unter dem Kommando von Fregattenkapitän Hoffmann stand dabei auf der Steuerbordseite des als letzte Einheit fahrenden 11. Geschwaders und hatte hinter sich nur das Schlussschiff, den kleinen Kreuzer "STUTTGART". Als das deutsche Gros gegen 17.30 Uhr dem bereits seit längerem im Gefecht stehenden deutschen Schlachtkreuzerverband unter Vizeadmiral Hipper zu Hilfe kam, hatte die "FRAUENLOB" immer noch die gleiche Position inne. Gegen 20.00 Uhr gab der Flottenchef den Befehl zur Gefechtskehrtwendung, um einer drohenden Umfassung durch den Gegner zu entgehen.

 

Das 11. Geschwader, bestehend aus den älteren Linienschiffen der "BRAUNSCHWEIG" und Deutschland- Klasse und somit das schwächste Geschwader, kam dadurch mit einer Flankensicherung an die Spitze der Kiellinie, ohne dass jedoch der kleine Kreuzer ins Gefecht gekommen wäre. Für die Nacht wurde die Flotte wieder umgruppiert, so dass das schwächste Geschwader wieder an den Schluss beordert wurde. Die 4. Aufklärungsgruppe, die damals neben der "FRAUENLOB" und "STUTTGART" aus dem kleinen Kreuzer "STETTIN", MÜNCHEN", "BERLIN" und "HAMBURG" bestand, war in der Stunde vor Mitternacht, von der Backbordseite der Kiellinie, wieder in Begriff die Steuerbordabdeckung zu übernehmen. Der Abstand sollte wieder 5 - 78 sm betragen. Der 31. Mai 1916 verlief für den kleinen Kreuzer ohne besonderen Vorkommnisse.

Gegen 0.30 Uhr, am 1. Juni 1916, trafen die deutschen Kreuzer in der Dunkelheit plötzlich mit 4 britischen Kreuzern der Städte-Klasse, des britischen II. leichten Kreuzergeschwader, zusammen, die eine Position hinter dem britischen Gros einnehmen wollen. Die "FRAUENLOB", "STETTIN", "München", STUTTGART" und die britischen Schiffe "DUBLIN"; "SOUTHAMTON", "NOTTINGHAM" und "BIRMINGHAM" beleuchteten sich erst gegenseitig mit den Scheinwerfern und dann entbrannte ein heftiges Artillerieduell. Die englischen Kreuzer waren mit 5500 t Wasserverdrängung und je 8 x bzw. 9 x 152 mm Kanonen im Vorteil.

 

 

Die britischen Kreuzer "DUBLIN" und "SOUTHAMTON" liegen im konzentrierten Feuer der deutschen Schiffe und werden erheblich beschädigt. Die "FRAUENLOB" erhält jedoch einen von "SOUTHAMTON" abgeschossenen Torpedotreffer in den Hilfsmaschinenraum, der zum Ausfall der elektrischen Anlage und zu einem riesigen Wassereinbruch führt. Dies besiegelt das Schicksal der "FRAUENLOB". Der Kreuzer sinkt auf Position 56.15 Nord/05.48 OST und nimmt 330 Seeleute mit in die Tiefe.

 

Englische Taucher bargen im Jahr 2000 die Schiffsglocke der "S.M.S. FRAUENLOB" und übergaben diese den deutschen Marinebund. Die Schiffsglocke kann man heute in LABOE noch immer besichtigen.

 

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© Mark Bergemann