Frauenlob V

 

BM-Boot"Frauenlob"

Binnenminensuchboot M2658 April 1965 - 2005

(Erst Küstenwachboot, dann Binnenminensucher und jetzt Ausbildungsboot)

 

Das fünfte und letzte Boot, das den Namen „FRAUENLOB“ trägt, wurde im Januar 1964 als Weiterentwicklung der 8 Boote, der Ariadne-Klasse, zusammen mit 9 weiteren Booten, als Typklassenboot der Klasse 394, in der Krögerswerft Rendsburg in Auftrag gegeben.

 

Zu dieser Klasse gehörten die Boote: „MEDUSA“, „GEFION“, „MINERVA“, „DIANA“, „LORELEY, „UNDINE“, „NAUTILUS“, „ACHERON“ und „ATLANTIS“. Sie erhielten alle Traditionsnamen früherer deutscher Kriegs- und Hilfskriegsschiffe. Die Namen ACHERON und MEDUSA stammen aus der griechischen Mythologie, GEFION ist germanisch-nordischen Ursprungs, MINERVA und DIANA waren römische Gottheiten, LORELEY und UNDINE sind Gestallten der Überlieferung und Dichtung. ATLANTIS geht auf einen sagenhaften, versunkenen Kontinent zurück, NAUTILUS auf ein Meerestier, FRAUENLOB auf einen 1849 ausschließlich aus Spenden deutscher Frauen finanzierten Kriegsschoner (der eigentlich FRAUENGABE heißen sollte). Im Marinejargon wurden die Boote auch als „Mickey-Maus-Geschwader“ bezeichnet.

 

Das Binnenminensuchboot „FRAUENLOB“, der gleichnamigen Klasse, wurde vorgesehen für das neue 1. Küstenwachgeschwader. Nach der Kiellegung im gleichen Jahr, lief das Boot am 08. April 1965 vom Stapel und wurde am 27. September 1966 als Küstenwachboot unter der Kennung W 31 für das 5. Minensuchgeschwader in Neustadt/ Holstein feierlich in Dienst gestellt.

 

Nach Aufstellung des Stabes des 7. Minensuchgeschwaders, am 01. Januar 1967, wurde die „FRAUENLOB“ diesem Geschwader mit gleichem Heimathafen zugeteilt. Ab den 01. Januar 1968 wurde sie vom Küstenwachboot zum Binnenminensuchboot umklassifiziert, mit der Kennung M 2671. Schon als Küstenwachboot war die „FRAUENLOB“ mit einem Minenräumgerät ausgerüstet, daher erübrigte sich ein Umbau mit Umrüstung bei der Umklassifizierung zum Aussetzen von Minenräumgeräten. Dieses führte das Boot an der Steuerbordseite der Brücke mit sich.

 

Ab dem 31. März 1969 wurde sie als Unterstützungseinheit mit der Kennung Y 1652 eingesetzt. Seit August 1973 fuhr die „FRAUENLOB“ nun wieder als ein echter Binnenminensucher mit der Kennung M 2658.

 

Der Leitspruch der Minensucherflottille

Die 1996 ursprünglich geplante Außerdienststellung der restlichen 5 Boote des 7. Minensuchgeschwaders wurde aufgegeben. Die „FRAUENLOB“ (M 2658), „MEDUSA“ (M  2661), „GEFION“ (M 2660), „LORELEY“ (M 2665) und „UNDINE“ (M 2662) blieben im Dienst und verlegten nach Olpenitz bei Kappeln an der Schlei, um dort mit den bisher gekaderten Landungsbooten der Klasse 520 zusammen, zum 31. Dezember 1995, das neue 3. Minen-suchgeschwader zu bilden. Das 7. Minensuchgeschwader    wurde zum gleichen Zeitpunkt aufgelöst.

 

 Technische Daten:

Typ:

Binnenminensuchboot, Klasse 394, vormals Küstenwachboot W 31, ohne Umbau umklassifiziert zum Binnenminensuchboot. Erbaut in zwei Gruppen nach Entwürfen von 1958 / 59 (unter Berücksichtigung der mit NIOBE und HANSA gewonnenen Erfahrungen) und 1963 / 64 Baukosten von 3,5 Millionen EURO.

 

Schiffbau:

Holzbau (VIII Abteilungen), ausschließlich verleimt, vorwiegend amagnetisches Material. Seitenhöhe 3,99 m. Der Rumpf, der erste Hauptspant ist U-förmig, wodurch die Form des Unterwasserbootskörpers flach verläuft.

 

Vermessungen:

Länge 38 m, Breite 8,20 m, Tiefgang 2,20 m. Die Masthöhe über dem Wasserspiegel mist 14 m. 275 BRT; 61,72 NRT

 

Maschinenanlage:

2 Maybach-Mercedes Benz 12 Zylinder, Vier Takt Diesel V-Motoren mit je 1000 PS, 736 KW

 

E-Anlage:

3 Deutz Dieselgeneratoren mit je 98 PS/ 72KW

 

Räumanlage:

Mit einem Dieselgenerator mit 700 PS/ 515 KW

Bis 1996, ausgebaut wegen Ersatzteilmangel

Antrieb:

2 Vierflügelige Propeller mit je 1,18 m Durchmesser, Zwei Ruderblätter

 

Waffenanlage:

1 x 40 mm Borfuss-Flak. Nach kurzfristiger Umrüstung kann auch eine Verwendung als Minenleger erfolgen

 

Führungsmittel:

Navigation mit Funkpeiler und Radar KH 14

 

Waffenleitsystem:

OGR 7

 

Ausrüstung:

3 Rettungsinseln, Wurfanker, Schlauchboot, Minenräumausrüstung mit Kabeltrommel/ Winde, 1 Leinenwinde, vier Drehkräne (auch David`s genannt, 2 x Heck- und Mittschiffs), eine Schwinge mit Schwimmer 0, MES-Anlage

 

Geschwindigkeit:

14,5 Knoten AK

 

Aufnahme bei Helotranfer vor Warnemünde

 

 

 

Die Besatzung bestand aus 2 Offizieren, dem Kommandanten und dem 1. Wachoffizier, 2 Portopeeunteroffizieren, dem Decksmeister und einen leitenden Maschinisten, 8 Unteroffizieren und 14 Mannschaftsdienstgraden.

 

 

 

 

Die „FRAUENLOB“ wurde am 31. Dezember 2001 aus der Fahrbereitschaft genommen. Am 18. Februar 2002 um 6.00 Uhr legte die „FRAUENLOB“ in Olpenitz das letzte Mal ab. Sie verließ den Heimathafen zu Ihrer letzten und wohl schwersten Fahrt nach Wilhelmshaven, wo sie am 27. März 2002 nach 36 Dienstjahren feierlich und mit allen Ehren außer Dienst gestellt worden ist.

 

 

Für mich, als ehemaliges Besatzungsmitglied, Fahrzeit von 06. Januar 1996 bis 30.11.1998 mit 11.573 gefahrenen Seemeilen, bleibt nur noch zu sagen, dass ich auf dem Binnenminensuchboot „FRAUENLOB“ eine meiner schönsten Zeiten des Lebens verbracht habe. Wie alle ehemaligen sage ich, sie hatte einen Hauch von echter Seefahrt, da sie aus Holz war und es an jeder Ecke quietschte und knarrte. Die Frauenlob durfte ich, über die Marinekameradschaft Hof (Patenstadt der Frauenlob), mit 4 ehemaligen Kammeraden, bei der letzten Fahrt nach W’haven begleiten. Für mich, der zu diesem Zeitpunkt schon knapp 4 Jahre von Bord war, war es ein sehr emotionaler Moment der mir schwerfiel.

 

Frauenlob im Hafen der Marinetechnikschule Parow. Aufgenommen am Tag der offenen Tür .2014

Anfang 2004 wurde sie im Marinearsenal Wilhelmshaven für Ausbildungszwecke hergerichtet und Anfang Mai, mit einem Schleppverband, zur Marinetechnikschule nach Parow überführt. Ab dem 05. Mai 2004 wird Sie hier als Ausbildungshulk für zukünftige Besatzungen verwendet. Als „Hulk“ bezeichnet man ein außer Dienst gestelltes Schiff das keinen Antrieb mehr hat.

 

Von 2006 – 2013 wurden verschiedenste Instandsetzungsarbeiten an Ihr durchgeführt um zukünftige Marinesoldaten dem Borddienst näherzubringen, so dass Sie die Schiffsrutine kennenlernen, bevor Sie zu Ihrem Kommando nach der Grundausbildung versetzt werden.

 

Seit 2015 war in Planung die Frauenlob außer Dienst zu stellen, jedoch verrichtete Sie bis zum 29. April 2017, nach über 55 Jahren, immer noch Treu ihren Dienst, auch wenn Sie nicht mehr selbstständig fahren kann.

 

Ich wünsche Ihr allzeit Gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

 

Bildgallerie BM-Boot "Frauenlob"

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© Mark Bergemann